Quadrantiden - Meteore - Sternschnuppen - Meteorschauer - 2018
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DIE QUADRANTIDEN

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EINFÜHRUNG

Wohl jedem astronomisch Interessierten sind die Quadrantiden ein Begriff, sind sie doch in den meisten Jahren der erste Eintrag in astronomischen Kalendern. Wie der Name sagt, liegt der Radiant im Sternbild Mauerquadrant. Das allerdings werden Sie in modernen Sternkarten vergeblich suchen, denn es inzwischen in das Sternbild Bärenhüter (Bootes) einbezogen worden. Obwohl die Quadrantiden eine ähnliche ZHR (um 100) erreichen wie die Geminiden und die Perseiden, werden Sie viel weniger beobachtet. Das hängt vor allem mit dem extrem spitzen Maximum zusammen, das oft nur 1 oder 2 Stunden andauert; der gesamte Zeitraum nennenswerter Aktivität beträgt lediglich etwa 14 Stunden. Da der Radiant erst zum Morgen hin hoch am Himmel steht und helles Mondlicht stören kann, treten in einer bestimmten Region nur alle paar Jahre wirklich gute Beobachtungsbedingungen ein.

Lage des Quadrantiden-Radianten
Lage des Quadrantiden-Radianten. Quelle: NASA

Bis vor wenigen Jahren war nicht bekannt, welcher Mutterkörper die Quadrantiden hervorbringt. Am 6. März 2003 wurde der Asteroid 2003 EH1 entdeckt, dessen Bahnparameter hervorragend mit denjenigen der Quadrantiden übereinstimmen. Nach einer Analyse von Peter Jenniskens handelt es sich bei 2003 EH1 um den inaktiven Rest eines einstmals viel größeren Kometenkerns, der auseinandergefallen ist, wobei neben 2003 EH1 auch die Quadrantiden entstanden sein sollen. Erstmals wurde im Jahr 1979 auf den Kometen C/1490 Y1 als möglichen Ursprungskörper der Quadrantiden hingewiesen. Eine neuere Arbeit stützt diese Theorie sehr stark und schließt keineswegs aus, dass es sich bei 2003 EH1 um den erloschenen Kern jenes Schweifsterns handeln könnte. Eine aktuelle Theorie besagt, dass 2003 EH1 um das Jahr 1800 kurzzeitig (wieder?) aktiv geworden ist und dabei die dichtesten Teile des Quadrantiden-Stroms hervorgebracht hat. Die heutige Staubproduktion von 2003 EH1 ist um Größenordnungen zu gering, um den Meteorstrom über mehrere Jahrhunderte zu "füttern". Episodische Aktivitätsphasen sind daher die einzig mögliche Erklärung - es sei denn, 2003 EH1 ist gar nicht der Ausgangskörper, sondern nur ein großes Mitglied des Quadrantiden-Stroms ...

Intensive Forschungsarbeiten haben in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass die für uns am Nachthimmel sichtbaren Quadrantiden, ihr Ursprungskörper 2003 EH1 und Komet C/1490 Y1 tatsächlich nur ein kleiner Teil eines ausgedehnten Komplexes interplanetarer Materie darstellen, welcher als Machholz-Komplex bezeichnet wird. Dazu gehören u.a. neben den im Juni am Taghimmel aktiven (und daher nur mit Radar wahrnehmbaren) Arietiden auch die Nördlichen und Südlichen Delta-Aquariden nebst ihrem mutmaßlichen Ursprungskörper Komet C/2008 Y12 sowie der namengebende periodische Komet 96P/Machholz und zahlreiche weitere Kleinkörper. Der gesamte Komplex ist offenbar im Laufe einiger Jahrtausende durch kaskadierenden und bis heute anhaltenden Zerfall aus einem Ursprungskörper hervor gegangen, wobei Trümmerstücke von submikroskopischer Größe bis hin zum etwa 6.4 km durchmessenden Kometen Machholz entstanden sind. Die Entstehung des Quadrantiden-Stroms ist in diesem Kontext nur eine von zahlreichen Zerfalls-Episoden. Jenniskens u.a. wiesen 1997 schlüssig nach, dass diese erst vor etwa 500 Jahren stattgefunden haben kann. Dadurch konnte ausgeschlossen werden, dass Komet 96P/Machholz selber der Ursprungskörper ist, was in früheren Arbeiten postuliert worden war.

GESCHICHTE DER QUADRANTIDEN

Im Unterschied zu anderen bedeutenden Meteorströmen sind die Quadrantiden erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Die erste Sichtung datiert vom 01.01.1835 (Wartmann bei Genf). Bereits 4 Jahre später wies Adolphe Quetelet darauf hin, dass es sich um einen jährlichen Schauer handeln könnte. 1863 gelang dem Amerikaner Stillman Masterman eine genaue Bestimmung der Position des Radianten.
Das Maximum fiel von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus; betrug die ZHR im Jahr 1901 gerade einmal 17, so war es 1909 ein Wert von 202. In einem geringeren Maße werden diese Intensitätsschwankungen bis heute beobachtet. Weitere Forschungen zeigten, dass die Position des Radianten sich ebenfalls von Jahr zu Jahr zu ändern scheint. Dies wird so interpretiert, dass immer wieder andere Radianten aktiv sind - die Quadrantiden bestehen offenbar aus verschiedenen Teilströmen, die unter dem Einfluss der Gravitation des Jupiters entstanden sein könnten.
1963 wurde erstmals auf den Zusammenhang zwischen Quadrantiden und Delta Aquariden hingewiesen. Die bislang wohl umfangreichsten und genauesten Beobachtungen der Quadrantiden erfolgten im Jahr 1992. Aufsehen erregte im Jahr 2008 eine luftgestütze Beobachtungscampagne.
In Rechenmodellen hat man sich mit der Vergangenheit und Zukunft dieses Meteorstroms beschäftigt. Demnach verändert sich seine Bahn um die Sonne so, dass er erst im 19. Jh. in Erscheinung treten konnte. Bereits um das Jahr 2200 wird es zu keiner Begegnung mit der Erde mehr kommen. Unsere Nachfahren werden also irgendwann auf den gewohnten ersten Eintrag in den astronomischen Jahrbüchern verzichten müssen ...

DIE QUADRANTIDEN 2018

Nach den vorliegenden Berechnungen tritt das Maximum der Quadrantiden im Jahr 2018 am Mittwoch, 3. Januar, gegen 21:00 MEZ ein. Obwohl es zu dieser Zeit in Mitteleuropa bereits lange dunkel ist, sind die Beobachtungsbedingungen dennoch sehr ungünstig. Zum einen steht der Radiant tief über dem Nordhorizont und zum anderen stört nur einen Tag nach Vollmond das Licht des Erdtrabanten massiv. So wird man auch bei besten Wetterbedingungennur sehr vereinzelte helle Meteore beobachten können.

ÜBERSICHTSSEITEN

DIE QUADRANTIDEN 2018

LINKS ZUR GESCHICHTE DER QUADRANTIDEN (1994 - 2017).

ÜBERSICHTSSEITEN

Abedin Abedin, Pavel Spurny, Paul Wiegert, Petr Pokorny, Jiri Borovicka & Peter Brown: On the age and formation mechanism of the core of the Quadrantid meteoroid stream


American Meteor Society: Quadrantids meteoroid stream orbiting the Sun

Astro Corner: Quadrantiden - Reicher Sternschnuppenschauer zu Jahresbeginn

Astronews.com: Mutterkörper für Sternschnuppenschauer entdeckt

W.E. Besley: The Quadrantid meteor-shower

W.F. Denning: The meteoric showers of January and December (Quadrantids and Geminids)

Fachgruppe Meteorastronomie: Quadrantiden (QUA) (pdf, 122 kb)

Willard J. Fisher: The Quadrantid Meteors - History to 1927

Brando Gaetano: The 2016 Quadrantids (pdf, 302 kb)

Gonczi, R., Rickman, H. & Froeschle, C.: The connection between Comet P/Machholz and the Quadrantid meteor stream

Hamid, S. E. & Whipple, F. L.: Common Origin between the Quadrantids and the δ Aquarids Streams

Ichiro Hasegawa: Orbits of Ancient and Medieval Comets

Hughes, D. W., Williams, I. P., & Murray, C. D.: The Quadrantid meteor stream - Past, present and future

K.B. Hindley: The Quadrantid meteor stream

IAU Minor Planet Center: MPEC 2003-E27 - 2003 EH1

International Project for Radio Meteor Observation: The result of Quadrantids

Peter Jenniskens: 2003 EH1 is the Quadrantid shower parent comet

Peter Jenniskens: 2003 EH_1 and the Quadrantid shower

Jenniskens, P.; Betlem, H.; de Lignie, M.; Langbroek, M. & van Vliet, M.: Meteor stream activity. V. The Quadrantids, a very young stream

Jones, J. & Jones, W.: Comet Machholz and the Quadrantid meteor stream

Toshihiro Kasuga & David Jewitt: Physical Observations of (196256) 2003 EH1, Presumed Parent of the Quadrantid Meteoroid Stream

P. Koten, J. Borovicka, P. Spurný, S. Evans, R. Stork & A. Elliott: Double station and spectroscopic observations of the Quadrantid meteor shower and the implications for its parent body

Gary W. Kronk: Quadrantids

Ki-Won Lee, Hong-Jin Yang & Myeong-Gu Park: Orbital Elements of Comet C/1490 Y1 and the Quadrantid shower

L. Neslusan, M. Hajduková jr. and M. Jakubík: Meteor-shower complex of asteroid 2003 EH1 compared with that of comet 96P/Machholz

L. Neslusan, Z. Kanuchova & D. Tomko: The meteor-shower complex of 96P/Machholz revisited

Rendtel, J.; Koschack, R. & Arlt, R.: The 1992 Quadrantid meteor shower

Rendtel, J., Rendtel, I., Otto, F., & Koschack, R.: Beobachtungen der Geminiden und Quadrantiden

Ryabova, Galina & Nagatoshi Nogami: Asteroid 2003 EH1 and the Quadrantid meteoroid stream

Jacques Sauval: Quetelet and the Discovery of the First Meteor Showers

Zdenek Sekanina & Paul W. Chodas: Origin of the Marsden and Kracht Groups of Sunskirting Comets. I. Association with Comet 96P/Machholz and Its Interplanetary Complex

J.W. Shelton: Photographic Quadrantid meteors

Sungrazer Project: Meet the Machholz's -- possibly the most complex family in the solar system!

Oleg S. Ugolnikov & Igor A. Maslov: Quadrantids 2008 and 2009 - Detection of Dust in the Atmosphere by Polarization Twilight Sky Measurements

Williams, I. P., Murray, C. D., & Hughes, D. W.: The long-term orbital evolution of the Quadrantid meteor stream

Wikipedia: Quadrantiden

Christine Kronberg: Bootes

DIE QUADRANTIDEN 2018

Spaceweather.com: Realtime Meteor Gallery

Spaceweather.com: Forward Scatter Meteor Radar

United Kingdom Meteor Observation Network: Live Camera Feeds


Spacedex: Quadrantids Meteor Shower

Timeanddate.com: When and Where to See the Quadrantids in 2017

Marc van der Sluys: De meteorenzwerm Boötiden in januari 2018

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