Meteore - Sternschnuppen - Meteorschauer - Meteorsturm - Fachbegriffe - Lexikon
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METEOR-LEXIKON

55P/TEMPEL-TUTTLE
Die wissenschaftlich korrekte Bezeichnung eines von Wilhelm Tempel und Horace Tuttle um die Jahreswende 1865/66 entdeckten KOMETEN, der auf einer elliptischen Bahn in etwa 33 Jahre um die Sonne läuft. Der meist unauffällige und nur mit Teleskopen zu beobachtende Himmelskörper ist als Verursacher der LEONIDEN berühmt geworden.
APHEL
Als Aphel bezeichnet man der sonnenfernsten Punkt auf der elliptischen Umlaufbahn eines Himmelskörpers um unser Zentralgestirn. So steht der Komet Halley im Aphel seiner Bahn 5281 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.
ASTEROID
Auch als PLANETOID oder KLEINPLANET bezeichnet. Meist unregelmäßig, manchmal auch anähernd kugelig geformter Gesteinsbrocken von einigen dutzend Metern bis zu einigen hundert Kilometern Durchmesser. Sie bewegen sich oft auf stark elliptischen Bahnen um die Sonne; ihre Gesamtzahl dürfte in die hunderttausende oder Millionen gehen. Die meisten sind nur mit Hilfe großer Fernrohre sichtbar.
ASTRONOMISCHE EINHEIT (AE)
Die mittleren Entfernung zwischen Erde und Sonne wird als Astronomische Einheit (AE, englisch AU von Astronomical Unit) bezeichnet. Es gilt: 1 AE = 149597870 km. Entfernungen im Sonnensystem werden häufig in AE ausgedrückt.
BAHNSTÖRUNGEN
Gravitationswirkungen eines Himmelskörpers auf einen anderen beeinflussen dessen Bahn. Man spricht daher von Bahnstörungen. Insbesondere der Planet Jupiter mit seiner riesigen Masse kann die Bahnen von Meteorströmen, die in seiner Nähe vorbeiziehen, massiv beeinflussen. Solche Störungen müssen bei Bahnberechnungen berücksichtigt werden.
BOLIDE
Extrem heller METEOR, der auseinanderbricht oder explodiert. Bisweilen sind Explosionsgeräusche wahrzunehmen, in Einzelfällen kan es auch zum Niedergang eines METEORITEN kommen. Am 6. April 2002 leuchtete ein vollmondheller Bolide über Süddeutschland auf, ein Ereignis, dass in den Massenmedien große Aufmerksamkeit fand.
DÄMMERUNG
Als Dämmerung bezeichnet man den Zeitraum nach Sonnenuntergang bzw. vor Sonnenaufgang, in dem es noch nicht bzw. nicht mehr vollständig dunkel ist. Ursache der Dämmerung ist die Streuung von Sonnenlicht aus hohen oder weit entfernten Bereichen der Erdatmosphäre in solche Bereiche, die selber nicht mehr oder noch nicht von der Sonne beschienen werden. Im Allgemeinen unterscheidet man 3 Phasen der Dämmerung:
Bürgerliche Dämmerung: Die Sonne steht weniger als 6° unter dem Horizont. Lesen ist (bei wolkenfreiem Himmel) ohne künstliche Lichtquellen möglich.
Nautische Dämmerung: Die Sonne steht zwischen 6° und 12° unter dem Horizont. Helle Sterne, u.a. der Polarstern, sind sichtbar; der gesamte Horizont ist erkennbar, sodass nautische Ortsbestimmungen vorgenommen werden können.
Astronomische Dämmerung: Die Sonne steht zwischen 12° und 18° unter dem Horizont. Lediglich oberhalb des Horizontbereichs unter dem die Sonne steht, sind noch eine Himmelsaufhellung und der Horizont erkennbar.
Wenn die Sonne tiefer als 18° unter dem Horizont steht, ist es im astronomischen Sinn Nacht. Durch das Licht der Sterne und Planeten, das Zodiakallicht sowie das Eigenleuchten der irdischen Hochatmosphäre (Airglow) tritt aber auch dann keine absolute Dunkelheit ein, selbst wenn der Mond nicht am Himmel steht und keine künstlichen Lichtquellen vorhanden sind.
EKLIPTIK
Als Ekliptik bezeichnet man die scheinbare Bahn, die die Sonne im Jahresverlauf am irdischen Himmel zeichnet. Es handelt sich dabei um nichts anderes als die Projektion der Erdbahnebene ans Firma­ment. Sowohl der Erdmond als auch die Planeten bewegen sich auf Bahnen, die leicht gegen die Erdbahnebene geneigt sind. Sie sind am Himmel deshalb stets in der Nähe der Ekliptik zu finden.
FEUERBALL (auch FEUERKUGEL)
Ein sehr heller METEOR. Kein klar definierter Begriff; zumeist werden Meteore, die heller als -3 mag aufleuchten, als Feuerball bezeichnet. Noch hellere Objekte werden unter dem Begriff BOLIDE geführt.
HIMMELSÄQUATOR
Der Himmelsäquator ist die Projektion des Erdäquators an das Himmelsgewölbe.
HORIZONTHÖHE (ELEVATION)
Die Entfernung eines Gestirns (Sonne, Mond, Planet, Fixstern usw.) vom Horizont bezeichnet man als Elevation oder Horizonthöhe. Sie ist abhängig von der Position des Beobachters auf der Erdoberflä­che und vom Zeitpunkt der Beobachtung. Die maximale Horizont­höhe beträgt 90°, nämlich dann, wenn ein Himmelsobjekt im Zenit steht.
KOMETEN
Kosmische Körper mit Durchmessern von typischerweise unter 50 Kilometerm, die die Sonne auf oft extrem elliptischen Bahnen umkreisen. Im Unterschied zu ASTEROIDEN bestehen Kometen überwiegend aus gefrorenen Gasen und Staub. Bei Annäherung an die Sonne sublimieren die Gase und reißen Staubpartikel mit sich. Dadurch entsteht zum einen der Kometenschweif, zum anderen werden die Partikelwolken produziert, aus denen METEORSTRÖME bestehen.
LEO
Alle Sternbilder tragen neben ihren volkstümlichen, in verschiedenen Kulturkreisen oft inhaltlich unterschiedlichen Namen eine lateinische Bezeichnung. Durch diese wissenschaftliche Namengebung können sich die Astronomen weltweit problemlos verständigen. Der lateinische Name des im deutschen Sprachraum als LÖWE bekannten Sternbildes ist LEO.
LEONIDEN
METEORSTROM, der aus Auflösungsprodukten des Kometen 55P/TEMPEL-TUTTLE besteht. Jedes Jahr um den 20. November kreuzt die Erde auf ihrem Weg um die Sonne die Umlaufbahnen der Teilchen dieses Stroms, von denen einige in die Erdatmosphäre eindringen und dort als METEOR aufleuchten. Für Beobachter auf der Erdoberfläche scheint der Ursprung aller dieser Sternschnuppen im Sternbild LÖWE zu liegen. Ihre Bezeichnung als LEONIDEN leitet sich von LEO, dem lateinischen bzw. fachwissenschaftlichen Namen des Sternbildes ab. Während in den meisten Jahren nur wenige Leoniden-Meteore zu beobachten sind, kann es in den Jahren, in denen sich 55p/Tempel-Tuttle in Sonnennähe aufhält, zu eindrucksvollen METEORSTÜRMEN kommen.
LEUCHTSPUR
Vor allem grössere METEORE hinterlassen entlang Ihrer Flugbahn eine Leuchtspur aus ionisierten Molekülen, die noch einige Sekunden nach dem Verlöschen des Meteors sichtbar bleibt.
LÖWE
Ein sehr auffälliges, auch für Laien leicht zu identifizierendes Sternbild, das in den Frühlingsmonaten hoch am Abendhimmel steht. Seine beiden hellsten Sterne sind Regulus und Denebola. Regulus steht genau auf der scheinbaren Bahn, die die Sonne durch den Tierkreis zieht, und deshalb wird er jedes Jahr um den 20. August von unserem Tagesgestirn bedeckt. Ende September, wenn die Sonne im Tierkreis weiter gezogen ist, taucht der Löwe am Morgenhimmel auf, jeden Tag schiebt er sich nun einige Minuten früher über den Osthorizont, bis er Mitte November bereits kurz nach Mitternacht aufgeht. Mit dem Löwen steigt auch der RADIANT der LEONIDEN am Himmel empor.
METEOR
Ein Objekt, das mit meist sehr hoher Geschwindigkeit (20 - 70 Kilometer pro Sekunde) aus dem Weltraum in die Erdatmosphäre eindringt und dort eine Leuchterscheinung verursacht, wird als Meteor bezeichnet. Täglich dringen zahlreiche Kleinstkörper (sog. METEOROIDE) mit Geschwindigkeiten von 10 bis 70 km/s in die Erdatmosphäre ein. Durch die Reibung an den Gasmolekülen erhitzen Sie sich und verglühen. Gleichzeitig wird die Luft entlang der Flugbahn der Teilchen ionisiert. Dadurch (und nicht durch das Verglühen!) entsteht die Leuchterscheinung, die wir als Meteor wahrnehmen. Lediglich größere Brocken erreichen - oftmals bereits fragmentiert - als METEORITE die Erdoberfläche.
METEOROID
Kleinstkörper aus Stein oder Eisen, der sich meist auf einer elliptischen Bahn um die Sonne bewegt und beim Eintritt in die Erdatmosphäre als METEOR aufleuchtet. Größere Objekte, von einigen dutzend Metern bis zu mehreren hundert Kilometern Durchmesser, werden je nach ihrer Struktur als ASTEROID oder KOMET bezeichnet.
METEORIT
Teile eines METEORS, die bis auf die Erdoberfläche gelangen, werden als Meteorit bezeichnet. Die meisten dieser Brocken bestehen aus Stein, einige auch aus Eisen. Große Meteorite können beim Aufschlag einen Krater oder - wenn Sie im Meer niedergehen - Flutwellen erzeugen.
Eine sehr schöne Seite über Meteoriten-Niedergänge in Deutschland hat André Knöfel erstellt.
METEORSCHAUER
Ein Meteorschauer entsteht, wenn die Erde auf einen METEORSTROM trifft. Dann dringt eine große Zahl von METEOROIDEN gleichzeitig in die Erdatmospäre ein.
METEORSTROM
Auflösungsprodukte von KOMETEN, die als Partikelwolken um die Sonne kreisen, bezeichnet man als Meteorstrom.
METEORSTURM
Ein extrem starker METEORSCHAUER mit einer ZHR über 1000 wird als Meteorsturm bezeichnet. Solche Ereignisse sind für einen bestimmten Beobachtungsort außerordentlich selten. In den letzten Jahrzehnten hat außer den LEONIDEN (1966, 1999, 2001 und 2002) kein anderer METEORSTROM einen Meteorsturm hervorgebracht. Die PERSEIDEN erreichten in den Jahren 1991 - 1994 ZHRs zwischen 200 und 400; die Alpha Monocerotiden lagen 1985 ebenso in diesem Bereich wie die Draconiden 1998 und die Leoniden 1998 und 2000.
PERIHEL
Als Perihel bezeichnet man der sonnennächsten Punkt auf der elliptischen Umlaufbahn eines Himmelskörpers um unser Zentralgestirn. So steht der Komet Halley im Perihel seiner Bahn 88 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.
PERSEIDEN
METEORSTROM, der aus Auflösungsprodukten des Kometen 109P/SWIFT-TUTTLE besteht. Jedes Jahr um den 12. August kreuzt die Erde auf ihrem Weg um die Sonne die Umlaufbahnen der Teilchen dieses Stroms, von denen einige in die Erdatmosphäre eindringen und dort als METEOR aufleuchten. Für Beobachter auf der Erdoberfläche scheint der Ursprung aller dieser Sternschnuppen im Sternbild PERSEUS zu liegen, von dem sich Ihre Bezeichnung als PERSEIDEN ableitet. Abgesehen von den seltenen Jahren mit großen Leoniden-Schauern sind sie der eindrucksvollste Meteorstrom mit einer ZHR von bis zu 100. Nach den Vorhersagemodellen von Esko Lyytinen könnten im Jahr 2028 auch die Perseiden einen METEORSTURM produzieren.
RADIANT
Als Radiant (= Ausstrahlungspunkt) wird die Stelle am Sternenhimmel bezeichnet, aus der alle METEORE eines METEORSTROMS zu entspringen scheinen.
STERNGRÖSSE, HELLIGKEIT
Ein Maß für die Lichtmenge, die man von einem Himmelskörper empfängt. Bereits in der Antike verwendete man eine Skala mit mehreren Größenklassen, die in der Neuzeit ausgeweitet und ma­thematisch definiert wurde. Ein Helligkeitsunterschied von einer Größenklasse entspricht einem Faktor von 2.512. Ein Stern erster Größe ist demnach 100mal heller als ein Stern 6. Größenklasse, der gerade noch mit bloßem Auge sichtbar ist. Die Sterngröße wird durch ein hochgestelltes "m" oder den Zusatz "mag" gekennzeichnet. Der Polarstern hat z.B. eine Helligkeit von 2 mag. Für sehr helle Objekte verwendet man negative Größenklassen. Der Planet Jupiter erreicht eine Helligkeit von bis zu -2.9 mag und ist dann fast 100 Mal leuchtkräftiger als der Polarstern. Manche Meteore werden noch heller und dann als Feuerkugel bezeichnet.
STERNSCHNUPPE
Volkstümliche Bezeichnung für einen METEOR.
UMLAUFBAHN, ORBIT
Den Weg, auf dem sich ein Himmelskörper (z.B. die Erde) um einen anderen (z.B. die Sonne) bewegt, bezeichnet man als seine Bahn oder seinen Orbit. Die Bahnen der Planeten, Asteroiden, Kometen und Meteorströme um die Sonne sind elliptisch, d.h. das umkreiste Objekt steht nicht im Mittelpunkt, sondern in einem Brennpunkt der Bahn. Je langgestreckter eine Ellipse ist desto weiter liegt der Bahnmittelpunkt von den Brennpunkten entfernt. Den Grad der Streckung einer Ellipse bezeichnet man als Exzentrität (e); diese kann Werte zwischen 0 und 1 annehmen. Ist e=0 so liegt eine perfekte Kreisbahn vor, die demnach also einen Grenzfall einer Ellipse darstellt. Der andere Grenzfall mit e=1 wird als Parabel bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Ellipse, deren Streckung unendlich ist. In der Natur kommen allerdings weder Kreis- noch Parabelbahnen vor. Kometen und die von ihnen produzierten Meteorströme bewegen sich typischerweise auf stark exzentrischen Ellipsenbahnen um die Sonne.
UT (Universal Time)
Als Universal Time (deutsch: Weltzeit) dient die Greenwich Mean Time (Westeuropäische Zeit). UT wird als Standard verwendet, um den Zeitpunkt astronomischer Ereignisse unabhängig von den je­weiligen Zonenzeiten anzugeben. Um UT auf Ortszeit umzurechnen gilt: MEZ = UT + 1 Stunde; MESZ = UT + 2 Stunden.
ZENIT, ZENITH
Der Punkt des Himmels, der sich senkrecht über dem Beobachter befindet, mithin also 90 Bogengrade vom Horizont entfernt ist, wird als Zenith bezeichnet.
ZHR
Abkürzung für ZENITHAL HOURLY RATE. Die ZHR gibt an, wieviel Meteore pro Stunde ein Beobachter bei absolut klarem und dunklem Himmel sehen würde, wenn der RADIANT senkrecht über dem Beobachter, also im Zenit, stehen würde.
ZODIAKALLICHT
Das Zodiakallicht ist eine schwache Leuchterscheinung in der Um­gebung der Ekliptik. Es entsteht durch Reflexion und Streuung des Sonnenlichts an den Bestandteilen der Staubwolke, die die Sonne als dünne Scheibe in der Planetenebene umgibt. Hauptquelle des Staubs sind die Kometen.
Das Zodiakallicht umspannt praktisch den gesamten Himmel entlang der Ekliptik, die visuelle Beobachtung ist aber nur unter günstigen Bedingungen (keine Himmelsaufhellung durch Kunst- oder Mond­licht) ab etwa 2 Stunden vor Beginn der Morgendämmerung oder bis etwa 2 Stunden nach Ende der Abenddämmerung möglich. Da die Ekliptik in Äquatornähe stets in einem steilen Winkel zum Horizont steht, ist es dort ganzjährig beobachtbar. In Mitteleuropa beschränkt sich die Sichtbarkeit auf die Wochen um die Tag-und-Nacht-Gleichen, weil die Ekliptik nur dann steil genug steht (im Frühjahr am Abend, im Herbst am Morgen).