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DIE URSIDEN

EINFÜHRUNG

Alljährlich erhalten wir einen himmlischen Weihnachtsgruß, den uns der Komet 8P/Tuttle schickt, nämlich in Form des Meteorschauers der Ursiden. Dieser Meteorstrom, dessen Radiant im Sternbild Kleiner Bär (Ursa minor) liegt, ist allerdings wenig bekannt. Das hängt sicherlich mit der im Dezember meist unerquicklichen Witterung zusammen; die vorweihnachtliche Hektik, die vielfach nicht Zeit für ausgiebige Himmelsbeobachtungen lässt, mag auch eine Rolle spielen. Hinzu kommt, dass die ZHR der Ursiden meist nur etwa 10 erreicht, wobei das Maximum sehr spitz (= kurz) ist und viele leuchtschwache Sternschnuppen vertreten sind. Helles Mondlicht ist daher der natürliche Feind einer erfolgreichen Ursiden-Beobachtung. Ein weiterer Nachteil dieses Meteorschauers ist, dass der Radiant erst in den frühen Morgenstunden größere Höhen über dem Horizont erreicht. Insgesamt stellen sich also die gleichen Probleme, wie bei den 14 Tage später auftretenden Quadrantiden, mit dem Unterschied, dass die Fallraten der Ursiden 10mal geringer sind. Eine erfolgreiche Beobachtung dieses Schauers ist folglich durchaus ein "Once-in-a-lifetime"-Erlebnis.
Trotzdem verdienen die Ursiden durchaus mehr Aufmerksamkeit als ihnen gemeinhin gewidmet wird, denn dieser Meteorstrom neigt zu gelegentliche Ausbrüchen, mit ZHR bis zu 100. Das entspricht dann in etwa den normalen Fallraten der Quadrantiden.

Lage des Ursiden-Radianten
Lage des Ursiden-Radianten. Quelle: NASA

GESCHICHTE DER URSIDEN

Die Ursiden wurden von William Frederick Denning um 1910 entdeckt, erfuhren aber lange Zeit wenig Beachtung. Am 22.12.1945 beobachteten tschechische Astronomen durch Zufall einen kräftigen Ausbruch des Meteorschauers, wobei eine ZHR von über 100 erreicht wurde. In den folgenden Jahren wurden die Ursiden systematisch untersucht, die beobachteten Meteorzahlen waren aber verglichen mit 1945 stets sehr gering. Deshalb ließ das Interesse an diesem Meteorschauer bald wieder nach. Erst Anfang der 70er-Jahre erfolgten weitere Untersuchungen durch britische Amateurastronomen, wobei sehr geringen ZHR festgestellt wurden. Durch Radiobeobachtungen wurde jedoch in den Tagesstunden des 22.12.1973 ein kurzer Ausbruch mit einer ZHR von etwa 30 nachgewiesen. Vergleichbar stark traten die Ursiden am 22.12.1979 in Erscheinung, diesmal waren es norwegische Beobachter, die die Meteore am Nachthimmel sichten konnten. In mehreren europäischen Ländern wurde ein deutlich stärkerer Ausbruch der Ursiden, mit ZHR bis zu 100, am 22.12.1986 beobachtet.

Seit langem war bekannt, dass es sich bei 8P/Tuttle um den Ursprungskometen der Ursiden handelt. Die Umlaufszeit dieses Schweifsterns beträgt 13.5 Jahre. Interessanterweise fielen die stärksten beobachteten Ausbrüche der Ursiden in den Jahren 1945, 1973 und 1986 nicht etwa mit der Sonnennähe, sondern mit der Sonnenferne des Kometen zusammen. Peter Jenniskens & Esko Lyytinen entwickelten ein Modell, das dieses ungewöhnliche Phänomen befriedigend erklärte. Im gleichen Artikel wurde für den 22.12.2000 - wieder war der Komet in Sonnenferne - ein erneuter Ausbruch der Ursiden vorhergesagt. Zahlreiche Beobachter legten sich auf die Lauer, doch die Ergebnisse waren widersprüchlich. Vor allem Videoaufnahmen und Radioechos deuteten auf verstärkte Aktivität hin, doch es blieben Zweifel an der dabei angewandten Methodik. Hinzu kam, dass visuelle Beobachter nur die üblichen geringen Ursiden-Raten registrierten.
Weniger starke Ausbrüche wurden in Jahren verzeichnet, in denen sich 8P/Tuttle in Erdnähe befand, namentlich 1981 und 1982, 1993 und 1994 sowie 2007.

DIE URSIDEN 2017

Das Maximum der Ursiden tritt im Jahr 2017 am Morgen des 23. Dezember gegen 10:00 MEZ ein. Angesichts des spitzen Maximums sollte man gegen 6 Uhr MEZ kurz vor Beginn der Morgendämmerung nach einzelnen Meteoren Ausschau halten. Um diese Zeit erreicht auch der Radiant seine größte Höhe, und der Mond fällt in diesem Jahr als Störfaktor weg.

Ames Research Center: Ursids MAC 2007

Astro Corner: Ursiden

Ceplecha, Zdenek: Umids-Becvars's Meteor Stream

Denning, William F.: Meteors on Christmas night

Denning, William F.: Mechain-Tuttle's comet of 1790-1858 and a meteoric shower

Dutch Meteor Society: Ursids 2000 - Observational results!

IMO: Ursids 2008 - visual data quicklook (2007)

Peter Jenniskens: Meteor stream activity. 2 - Meteor outbursts

Peter Jenniskens u.a.: Dust Trails of 8P/Tuttle and the Unusual Outbursts of the Ursid Shower

Peter Jenniskens & Esko Lyytinen: Possible Ursid outburst on December 22, 2000

Peter Jenniskens & Esko Lyytinen: 2000 Ursid Outburst Confirmed

Jenniskens, P.; Lyytinen, E.; Nissinen, M.; Yrjola, I. & Vaubaillon, J.: Strong Ursid shower predicted for 2007 December 22

Gary W. Kronk: The Ursids

Gary W. Kronk, Rainer Arlt & Richard Taibi: An Upcoming Outburst of the Ursids?

Langbroek, Marco: Conspicuous Ursid Rates in 1996

Leonid MAC: Predictions for upcoming Dec. 22 ursid Outburst - another Leonid-type Shower!

Ohtsuka, K.; Shioi, H. & Hidaka, E.: Enhanced Activity of the 1994 Ursids from Japan

Roggemanns, P.: On the Ursids, once more

Science@NASA: A Meteor Surprise

Sky & Telescope: Can You Spot December’s Ursid Meteors?

Space.com: North Pole Meteor Shower

Wikipedia: Ursiden

Gary W. Kronk: 8P/Tuttle

Christine Kronberg: Ursa Minoris